Verlass auf den GPS Ankeralarm - ein Risiko

Es war ein warmer, sonniger Tag (27° Celsius), eine leichte Brise blies mit ungefähr 7 Knoten aus Nordost. Der Vorhersage nach sollte die Brise am Abend nach Süden drehen.

Unser Boot, ein Tageskreuzer von 6,5 Metern, war mit Doppelbett, Toilette und einem Gasgrill ausgestattet, den wir am Heck des Bootes angebracht hatten. Wir hatten vor, am Nachmittag vor Anker zu gehen und über Nacht zu bleiben. Nachmittags wollten wir fischen und anschliessend bei einem guten Abendessen und ein paar Drinks entspannen. Wir beabsichtigten, uns gegen 21 Uhr zurückzuziehen.

Der Platz, den wir zum Ankern ausgesucht hatten, war eine ungefähr 500 Meter breite und 20 Meter tiefe Flussmündung. Wie beim Ankern üblich, betrug die Länge der Ankerleine 60 Meter, wodurch sich für uns ein effektiver Drehkreis von circa 57 Metern ergab.

Für das Ankermanöver stand uns ein 25 kg schwerer Sandanker mit 3 Meter-Kette und einem 20 mm Seil zur Verfügung. Zur Überwachung unserer Position hatten wir ein GPS-Satellitennavigationssystem der mittleren Preisklasse an Bord, das mit Ankeralarm ausgestattet war. Sobald der Anker ausgebracht war, stellten wir den Ankeralarm des GPS auf die Mindestdistanz von 30 Metern ein.

Grundsätzlich funktioniert dies folgendermassen: Wenn der Ankeralarm des GPS eingeschaltet ist, wird ein Alarm ausgelöst, sobald sich das Boot um mehr als 30 Meter in eine Richtung bewegt. Dadurch entsteht um das Boot herum ein effektiver Erfassungsbereich mit einem Durchmesser von 60 Metern.

 

Anchor Alarm

Innerhalb einer Stunde, nachdem wir vor Anker gegangen waren, schien sich der Wind leicht gedreht zu haben, so dass das Boot nun weiter nach Süden gedriftet war. Uns beunruhigte das nicht, der Ankeralarm jedoch spielte völlig verrückt.

Anchor Alarm Image

Wir mussten den Ankeralarm natürlich neu einstellen; dieses Mal entschied ich mich jedoch, den Erfassungsbereich auf 40 Meter einzustellen, und ging dann wieder fischen.

Als ich mein drittes Bier geöffnet und Kim ihr Abendessen zuguterletzt doch noch gefangen hatte, ging der GPS-Ankeralarm erneut los. Wie es schien, kam der Wind nun von Osten und hatte uns erneut aus dem Erfassungsbereich der GPS-Überwachung getrieben.

Ich ging zum Bug und vergewisserte mich durch einen kurzen Ruck an der Leine, dass der Anker in Ordnung war.

Dieses Mal stellte ich den Alarm auf 60 Meter ein. Dann begab ich mich zurück und warf den Grill an. Es würde noch ungefähr 2 Stunden hell bleiben, der beginnende Abend war ruhig und mild.

Anchor Alarm Image 3

Nachdem wir unser Abendessen beendet hatten, sassen wir noch einige Stunden zusammen und unterhielten uns; es war gegen 22:30 Uhr, als wir uns entschlossen, zu Bett zu gehen. Zum Glück entschied ich mich, unsere Position zu überprüfen, bevor ich unter Deck ging.

Die Brise kam nun beinahe direkt aus Süden, so dass wir näher an die Felsen getrieben worden waren. Das GPS zeigte unsere neue Position ordnungsgemäss an, doch da ich aufgrund der vorhergegangenen Fehlalarme die Distanz für den Ankeralarm auf 60 Meter erhöht hatte, war noch kein Alarm ausgelöst worden. Selbstverständlich entschied ich mich zu diesem Zeitpunkt, den Anker zu überprüfen, und es zeigte sich, dass dieser ganz eindeutig neu ausgebracht werden musste.

Anchor Alarm Image 4

Anschliessend stellte ich den Ankeralarm erneut auf 30 Meter ein und legte mich zur Ruhe.

Die Lösung?

Die einzige Möglichkeit, den Ankeralarm nicht alle paar Stunden neu einstellen zu müssen, war, die Einstellung des GPS-Ankeralarms auf einen Radius vorzunehmen, der doppelt so gross war wie der Drehkreis meines Bootes; dadurch wurde allerdings ein so weites Gebiet erfasst, dass der Alarm nicht mehr wirksam war.

Anchor Alarm Image 5

Dieses Problem kann sich durch andere Boote, die innerhalb meines effektiven GPS-Erfassungsbereichs festmachen, noch verstärken. Möglicherweise bewegt sich mein Boot, löst keinen Alarm aus und stösst dann mit benachbarten Booten zusammen.

Nicht berücksichtigt ist dabei, dass es zu spät ist, wenn ein Anker sich erst einmal gelöst hat, denn die Crew muss dann äusserst schnell handeln.

Aus unserer Sicht ist GPS-Ankerüberwachung eine sehr gute Sache, jedoch nicht präzise genug für Boote, die vor Anker liegen.

Die einzige Möglichkeit, wirklich präzise Angaben zu erhalten, ist, irgendeine Art von Gerät am Ankerpunkt selbst anzubringen.